Ahornhölzer

Die Gattung Ahorn (Acer) ist mit zahlreichen Arten, außer in Australien und in den Tropen Afrikas und Amerikas, weit verbreitet. Die Vorkommen mit den häufigsten Arten liegen im östlichen Nordamerika sowie im Osten einer von Europa bis nach Ostasien reichenden Verbreitungszone. - Alle Hölzer dieser artenreichen Gattung sind durch eine auffällig gleichmäßige Struktur, eine überwiegend feine Porung, eine fast weiße bis hell bräunliche oder blaß rötlichgraue Färbung charakterisiert. Dagegen reicht die Härte der verschiedenen Ahornarten über einen weiteren Bereich, der in Nordamerika zu der Einteilung in „Soft maple" (weiche Ahornhölzer) und "Hard maple" (harte Ahornhölzer) führte. Die wirtschaftliche Bedeutung der Ahornhölzer beruht auf der überwiegend guten Bearbeitbarkeit, einer je nach Art mehr oder minder "weißen" Färbung und bei einigen Arten auf einer mit Rotbuche vergleichbaren Härte. Die wegen der hellen Farbe am meisten geschätzte Art ist der in Europa vorkommende Bergahorn und die wegen ihrer guten Festigkeitseigenschaften am häufigsten verwendete der nordamerikanische Zuckerahorn. Anschließend werden hauptsächlich diese beiden Arten beschrieben und andere, meist nur in den Erzeugerländern genutzte Arten in einer Tabelle vergleichend dargestellt oder im Text erwähnt. - Aufgrund der ähnlichen Blätter bei verschiedenen Ahornarten und Platanen bestehen im englischen Sprachgebiet teils verwirrende Überschneidungen bei den Namen der zwei genannten, aber botanisch nicht verwandten Gruppen. Diese Besonderheiten in der Bezeichnungsweise werden in dem folgenden Abschnitt berücksichtigt.

Natürliche Verbreitung und botanische Bezeichnungen

-für BERGAHORN: Europäische Mittelgebirge bis Kaukasus (außer in Großbritannien und Skandinavien); in Großbritannien seit längerer Zeit kultiviert. -für ZUCKERAHORN: Nordöstliche USA und südöstliches Kanada; in Europa oft kultiviert.

 

- für BERGAHORN; Acer pseudopiatanus;
- für ZUCKERAHORN: Acer saccharum; Familie der Aceraceen (andere Arten vgl. nachfolgende Tabelle).

Weitere Handelsnamen

-für BERGAHORN: Acero montano, Erable, Plane (in Schottland - aber in England für Platane*). Sycamore (in England - aber in den USA für Platane*); Harewood und Silver-greywood für grau durchgefärbte Furniere, -für ZUCKERAHORN: Hard maple, Sugar maple, Rock maple, White maple (in den USA für Splintholz); Vogelaugenahorn und Birds-eye maple für Holz mit maserähnlicher, punktförmiger Struktur im Tangentialschnitt (teils auch gefärbt wie Silver-greywood).
*) Platanenhölzer aus der Gattung Platanus aus der Familie der Platanaceen.

Kurzzeichen nach DIN 4076 Blatt 1

-für BERGAHORN: AH - für ZUCKERAHORN: AHZ

Beschreibung
Stammform
Im Bestand allgemein geradschäftig und rund, auf mehr offenen Standorten mit schwachen Kehlen oder auch unregelmäßig geformtem Querschnitt und mit leichten Biegungen. Astfreie Längen bei beiden Arten bis 15 m möglich, häufig um 4 m bis 8 m bei Durchmessern bis 1 m; bei BERGAHORN oft schon ab 0,4 m genutzt, da mit zunehmendem Durchmesser störende Verfärbungen auftreten. - Form und Abmessungen sind bei ZUCKERAHORN allgemein besser als bei BERGAHORN.
Farbe und Struktur des Holzes

BERGAHORN - Splint über den gesamten Querschnitt reichend, fast weiß; bei sehr langsamer oder sehr scharfer Trocknung und auch bei starker Belichtung kann eine hell gelblichbraune Verfärbung ("Vergilben") eintreten. Kernholz nicht ausgebildet, aber alte Stämme oft mit wolkigen oder sternförmigen, bräunlichen bis schwärzlichen Verfärbungen.
Trotz der fast weißen Grundfärbung können Hölzer beziehungsweise Furniere aus gleichem Stamm - nebeneinandergelegt ("gestürzt") - einen deutlichen Hell-Dunkel-Kontrast aufweisen. Dieser entsteht durch eine unterschiedliche Reflexion des Lichtes der einzelnen Furniere. Sie wird durch eine von der Schnittebene abweichende Faserrichtung verursacht, die durch das Stürzen zueinander ungleich verläuft. ZUCKERAHORN - Splint gelblichweiß bis fast weiß, nach etwa 5 cm bis 10 cm allmählich in ein hell rötlichbraunes bis blaß goldbraunes Holz übergehend, in sehr alten Bäumen oft bis dunkelbraun verfärbt.
Poren in beiden Arten zerstreut und fein, nur mit der Lupe auf glatten Flächen klar erkennbar. - Holzstrahlen als rötliche oder blaß braune Spiegel, ähnlich, aber feiner als bei Rotbuche, radiale Schnittflächen oft deutlich beeinflussend; auf Querschnitten als helle Strahlen wahrzunehmen. - Speicherzellen bei keiner Art erkennbar. - Faserverlauf bei BERGAHORN, von spezifischen Abweichungen abgesehen, allgemein gerade, bei ZUCKERAHORN öfter leicht gewunden bis deutlich unregelmäßig. - Bei allen Ahornhölzern erfolgt durch ein sehr schmales, scharf begrenztes und dunkleres Spätholz eine deutliche Belebung des Holzbildes, das tangential durch eine feine Flade-rung oder „Blume" und radial von einer leichten, aber klaren Spätholz-Streifung charakterisiert wird. Außerdem ist für alle Arten das häufige Vorkommen einer wellenförmigen, als „Riegelwuchs" bezeichneten Faserabweichung charakteristisch, die bei guter und möglichst großflächiger Ausbildung als „Riegelahorn" oder nach seiner besonderen Eignung für Geigenböden als "Fiddleback" bezeichnet und getrennt sortiert wird. Eine andere und nur bei ZUCKERAHORN mögliche Form der Faserabweichung erzeugt beim Tangential-schnitt, beziehungsweise beim Schälen, eine als „Vogelaugen" bezeichnete maserähnliche Struktur. Sie ist kreis-oder ringförmig, hat meist um 3 bis 5 mm Durchmesser und kann über größere Flächen in regelmäßiger Verteilung von etwa 1 cm Abstand oder mehr auftreten. Das vogelaugenartige Bild entsteht durch einen ring- und punkt-förmigen Licht-/S chatten kontrast, hervorgerufen durch linsenförmige Aufwölbungen quer zur Zellachse mit radialer Ausrichtung.

Gesamtcharakter
Überwiegend hellfarbige, stets fein- und zerstreutporige Hölzer mit einer von der Art abhängigen, meist aber mittleren Härte; teilweise auch mit besonderen Wuchsformen, die als "Riegelahorn", "Vogelaugenahorn" (bei Zuckerahorn) und als "Maserahorn" (bei Oregonahorn) bezeichnet werden; siehe Tabelle.
Abweichungen
Kernähnliche und dunklere Verfärbungen bei alten Hölzern;
durch sehr kleine Insekten verursachte rötliche und als "Markflecken" bezeichnete Wundmale, die bei Häufung das Holzbild wesentlich beeinträchtigen;
durch Insekten- und Pilzbefall dunkel-streifig verfärbte Hölzer, die in den USA als "Soft maple-wormy" bezeichnet und getrennt gehandelt werden. - Faserabweichungen siehe "Gesamtcharakter".
Handelsformen

Bergahorn
Rundholz: Länge 2,4 m bis 6 m; Durchmesser 0,4 m bis 0,6 m; Schnittholz: auf Anfrage in allen Abmessungen;
Furniere: flach oder quartier ab 0,6 mm Stärke.

Oregonahorn
Maserknollen, Maserfurniere

Zuckerahorn
Rundholz ("Vogelaugenahorn"): Länge 2,4 m bis 5 m; Durchmesser ab 0,3 m;
Schnittholz (schlicht): auf Anfrage in allen Abmessungen; Parkett-Rohfriese (schlicht): in verschiedenen Abmessungen; Furniere („Vogelaugenahorn"): geschält.

Gewicht
- ungetrocknet (Rundholz)

Bergahorn                      Zuckerahorn
ca. 970 kg/m³                 ca. 1000 kg/m³

- darrtrocken

Bergahorn                      Zuckerahorn
ca. 0,59 g/cm³                ca. 0,67 g/cm³

Druckfestigkeit (lufttrocken)

Bergahorn                      Zuckerahorn
ca. 49 N/mm²                  ca. 54 N/mm²

Biegefestigkeit (lufttrocken)

Bergahorn                      Zuckerahorn
ca. 95 kp/mm²                 ca. 109 kp/mm²

Eigenschaften

Nach diesen Werten ist der in Europa heimische Bergahorn ein ,, mäßig schweres" Holz, nahe der Gruppe „mäßig leicht", und liegt damit zwischen den nordamerikanischen Gruppen „Soft maple" und ,,Hard maple" (siehe folgende Tabelle). Dagegen liegt der Zuckerahorn als ein noch „mäßig schweres" Holz schon nahe der Gruppe „schwere Hölzer" (Merkblatt Nr. 50). Diese artbedingten Gewichtsunterschiede verursachen hauptsächlich, wie in der obigen Tabelle ersichtlich, die von Art zu Art abweichenden Eigenschaften.
Die Trocknung der Ahornhölzer verläuft bei den leichten Arten (Soft maple) schnell und beim Zuckerahorn (Hard maple) deutlich langsamer. Beim Bergahorn, der zwischen beiden Gruppen liegt, sind eine zu lange Feuchthaltung bei höheren Temperaturen zu vermeiden, um Verfärbungen, vor allem durch Bläue, des hauptsächlich nur „weiß" gewünschten Holzes zu unterbinden. Aus dem gleichen Grund soll zu stapelndes Schnittholz schon möglichst vorgetrocknet sein, und die Stapelhölzer sollen bei nur kleiner Auflage („Abzeichnung") viel Zwischenraum für eine gute Durchlüftung ergeben. -Die Schwindung ist bei allen Ahornarten mäßig groß bis groß, jedoch ist das Stehvermögen der getrockneten Hölzer noch befriedigend.
Die Bearbeitung des Bergahorns sowie der leichten Arten (Soft maple) bereitet keine Schwierigkeiten, dagegen ist die Bearbeitung beim Zuckerahorn und den anderen Arten der Gruppe Hard maple durch einen öfter unregelmäßigen Faserverlauf und die größere Härte teils erschwert. Hervorzuheben ist allgemein, besonders aber beim Bergahorn, die gute Eignung zum Fräsen, Drechseln, Bohren und Schnitzen, wobei auf entsprechende Schnittwinkel der Schneiden zu achten ist, um, wie beim Sägen auch, ein „Brennen" zu vermeiden. - Alle Ahornhölzer sind gut messer- und schälbar. Die Biegefähigkeit ist bei geradfaserigem Wuchs allgemein gut.
Ahornhölzer sind, im Gegensatz zur farblich ähnlichen Linde, geruchlos. -Die Pilz- und Insektenfestigkeit ist bei entsprechenden Bedingungen gering, daher ist eine Verwendung in Bereichen mit anhaltender Feuchte zu vermeiden.

Weitere und zumindest lokal häufig genutzte Ahornarten in alphabetischer Folge nch Erdteilengeordnet
Europa Darrgewicht

Acer campestris - Feldahorn; Field maple, Loppo           ca. 0,71 g/cm³
Acer opalus - Südeuropäischer Ahorn; Acero opalo     ca. 0,65 g/cm³
Acer platanoides - Spitzahorn; Norway maple               ca. 0,63 g/cm³

Asien Darrgewicht
Acer caesium - Indischer Ahorn; Indian maple                ca. 0,57 g/cm³
Acer campbellii - Himalyan maple                                    ca. 0,57 g/cm³
Acer mandshuricum - Mandschurischer Ahorn              ca. 0,59 g/cm³
Acer mono - Japanischer Ahorn; Itayakaede                  ca. 0,61 g/cm³
Nordamerika Darrgewicht
Acer macrophyllum - Oregonahorn; Soft maple             ca. 0,5 g/cm³
Acer nigrum - Black maple, Hard maple                          ca. 0,61 g/cm³
Acer rubrum - Red maple, Soft maple                             ca. 0,56 g/cm³
Acer saccharinum - Silver maple, Soft maple                 ca. 0,5 g/cm³
Oberflächenbehandlung

Ahornhölzer können mit allen Präparaten und nach jeder Methode behandelt werden, wenn die Mittel eine der gleichmäßig dichten Oberfläche entsprechende Fließfähigkeit beziehungsweise Konzentration aufweisen und zu keiner Nachdunkelung des Holzes führen; bei furnierten Flächen ist außerdem auf eine möglichst helle und gleichmäßig strukturierte "Unterfläche" zu achten. Besonders ansprechend sind porengefüllte Flächen. Bei den hellen Arten, vor allem dem Bergahorn, ist außer dem Beizen auch ein gleichmäßiges Durchfärben möglich, das besonders für silbergraue Furniere, dann als „Harewood" oder „Silver-greywood" bezeichnet und für schwarzes Vollholz kleiner Querschnitte als Ebenholz-Austausch begrenzt anwendbar ist.

 

Verwendungsbereiche

BERGAHORN wird als Furnier überwiegend dekorativ eingesetzt, oft mit leicht welliger oder geregelter Struktur, vor allem für Möbelfronten, großflächig in Waggons, zur „Aufhellung" von Innenflächen oder in Verbindung mit dunkleren Hölzern als heller Kontrast wie zum Beispiel mit Nußbaum oder verschiedenen Mahagoniarten. - Als Vollholz für gedrechselte Gegenstände, einschließlich Holzblasinstrumenten, wie zum Beispiel Fagotts, für Teile von Streichinstrumenten, Klavieren und Flügeln sowie für Küchengeräte, Maschinenteile mit besonders glatter und gleichmäßig dichter Oberfläche, wie Spulen, Walzen und Gleithölzer. ZUCKERAHORN wird in Europa hauptsächlich in der besonderen Wuchsform des Vogelaugenahorns als geschältes beziehungsweise tangential geschnittenes Furnier (teils durchgefärbt) für dekorative Zwecke verwendet. Der Einsatz des schlichten Vollholzes ist vor allem in Nordamerika verbreitet, wo es für stark beanspruchtes Parkett, Kegelbahnen und Möbelteile Verwendung findet.
OREGONAHORN liefert überwiegend ein blaß rötliches, dem gedämpften Birnbaum farblich ähnliches Maserfurnier, das in Europa zunehmend für dekorative Aufgaben eingesetzt wird. SPITZAHORN und Feldahorn, beide einheimisch, sind meist durch eine graubräunliche bis rosagraue Färbung nicht wie der hellere BERGAHORN dekorativ zu verwenden, da sie aber deutlich härter sind, finden beide Arten teilweise eine ähnliche Verwendung als Vollholz wie Hainbuche und Rotbuche; nur sehr vereinzelt ist beim Spitzahorn eine farbliche Entsprechung zum Bergahorn vorhanden, so daß eine ähnliche Verwendung als Deckfurnier erfolgen kann.
ASIATISCHE AHORNHÖLZER, obwohl sehr zahlreich und verbreitet, entsprechen in Farbe und Dichte mehr dem Spitzahorn als dem Bergahorn und finden daher in Europa noch keine nennenswerte Verwendung.

Austauschhölzer

Für BERGAHORN (ohne Rücksicht auf die Farbe, teils auch gebeizt) - Aningre blanc/Longhi blanc, Avodire (Turraeanthus afhcanus), Birke (Betula spp.J. Birnbaum (Pyrus communis), Lenga und Ramin; für ZUCKERAHORN als Vollholz (teilweise) - Celtis , Hainbuche (Carpinus betulus), Muiratinga, Movingui (Distemonanthus benthamianus) sowie Spitz- und Feldahorn.

Anmerkungen

Wegen Gefährdung der für eine Verwendung meist entscheidenden hellen Farbe durch zu lange Transportwege erfordert ein Übersee-Import von Rundholz besondere Vorsicht.

Literatur

Anonymus: Important Trees of Japan. Tokio 1949.
Anonymus: Harthölzer der USA - US-Department of Agriculture, Washington DC 1960.
Anonymus: Bergahorn. Beilage der Reichsanstalt Eberswalde in Holz als Roh- und Werkst. V: 223-224, 1942.
Dahms, K.-G.: Hard maple. Importholzkunde III, Holzzentralblatt Nr. 57: 888, Stuttgart 1984.
Dahms, K.-G.: Maple, soft. Importholzkunde III, Holzzentralblatt Nr. 62: 974, Stuttgart 1984.
Farmer, R. H.: Handbook of Hard-woods. BRE Princes Risborough/GB, HMSO London 1972.
Gottwald, H.: Handelshölzer. F. Holzmann-Verlag, Hamburg 1958.
Gottwald, H.: Maserwuchs. Holz aktuell Nr. 4: 4-21, Danzer, Stuttgart 1985. Pearson, R. S., & Brown, H. P.: Commercial Timbers of India. Calcutta 1932.